The Who

Roger Daltrey Vocals
Pete Townshend Gitarre, Vocals
John Entwistle Bass * 9.10.1944, London+ Sommer 2002
Keith Moon Drums * 23.8.1947, Wembley, Middlesex+ 8.September 1978
"Spontaneität, unverbrauchte Frische und Jugendlichkeit" (Musik Express) prägten eine der einflußreichsten Rockformationen, die mit Hymnen wie "My Generation", "The Kids Are Alright" und Konzeptwerken wie "Tommy" und "Quadrophenia" Musikgeschichte schrieb. Abgesehen von wenigen Ausnahmen standen The Who für eine kraftvolle, ausdrucksstarke Rockmusik, die sie als herausragende, kenntnisreiche Protagonisten ihrer Generation auswies. Das Quartett transportierte über seinen Sound jederzeit glaubwürdig "Jugend, Zorn und Frustration" (Melody Maker) und trug die Songs mit einem unerschöpflichen Eifer und Engagement, in einer unverwechselbaren, lakonischen und unbekümmerten Art vor.

Who-Konzerte garantierten in den 60er Jahren wilde Spektakel, die damit einhergehenden Zertrümmerungs-Orgien galten seinerzeit als "authentische Antwort auf abstrakt-gesellschaftliche Gewalt" (Frankfurter Rundschau). Townshends genialische Begabung für eine ironische, bizarre, pointierte Lyrik und sein Kompositionstalent, Daltreys exzellente Rockshouter-Qualitäten, Moons anarchisches Schlagzeugspiel und seine Rolle als tragisch-komischer Harlekin und Entwistles ausgleichende Virtuosität am Bass machten zusammen eine der besten Rockbands der letzten Jahrzehnte aus.

The Who waren Zeitgenossen der Rolling Stones und Beatles, traten aber nie in Konkurrenz zu ihnen. The Who profilierten sich als herausragende Vertreter der Mod-Bewegung und suchten nach ihren Anfangserfolgen die Herausforderung in komplexen Formen der Rockmusik. Sie entwickelten einen individuellen Stil außerhalb bekannter Konventionen. Neben 15 Top-Hits und 10 Bestseller-Alben verfaßten sie beeindruckende Gesamtkonzepte, vor allem die Rockoper "Tommy".

Zwischen 1956 und 1960 besuchten John Alec Entwistle und Pete Townshend die Acton Grammar School. Als 13jährige spielten sie Skiffle und gründeten 1959 die Confederates. Entwistle war als Hornist außerdem Mitglied im Middlesex Youth Orchestra. Nach dem Schulabschluß trennten sich ihre Wege kurzzeitig. Townshend besuchte eine Kunstschule und Entwistle bekam einen Job in einem Steuerbüro.

Roger Daltrey, ebenfalls Schüler der Acton Grammar School, gründete 1962 die Detours und holte Townshend und Entwistle an seine Seite. Als Schlagzeuger wurde der zehn Jahre ältere Doug Sandom angeheuert. Daltrey agierte als zweiter Gitarrist, Colin Dawson übernahm die Leadsänger-Aufgaben. Die Detours spielten auf Jive- und Twist-Feten. 1963 entließ Daltrey Dawson aus der Band. Danach brachten sie sich als hart arbeitendes, semiprofessionelles Rock'n'Roll/R&B-Quartett durch zahlose Auftritte in den Ballrooms, Clubs und Pubs ins Gespräch.

Das Repertoire der Detours reichte von Bo Diddley bis James Brown. 1963 standen sie im Vorprogramm der Rolling Stones auf der Bühne und engagierten im Jahr darauf den Publizisten Pete Meaden als Berater. Meaden erkannte das Potential der Band und baute sie zu Symbolfiguren der Mod-Bewegung auf. Im Gegensatz zu den motorölverschmierten Rockern legten Mods wert auf korrekte Kleidung, ein geplegtes Äußeres, bevorzugten schmucke Motorroller und gingen einer geregelten Tätigkeit nach. Doch wie bei den Rockern spielten auch bei den Mods Drogen, Alkohol, Gewalt und rebellische Musik zentrale Rollen.

Die Detours probierten verschiedene Schlagzeuger aus, bis ihnen 1964 die wüsten, hemmungslosen Methoden von Keith Moon imponierte. Nach einem Bericht von Musik Express kam Keith Moon betrunken zur Vorstellung und zertrümmerte bei seinem Schlagzeugspiel das Schlagzeug. Gleichzeitig schlug Meadon eine Umbenennung in High Numbers vor, inspiriert von einem Terminus der Mods für Stil bzw. Klasse. Im Juli 1964 nahmen sie die Single "I'm The Face" auf, die keine Aufmerksamkeit fand. Acht Wochen später suchte der Regisseur Kit Lambert für eine Filmszene eine Rockband als Statisten. Gemeinsam mit seinem Partner Chip Stamp, zahlte er Meadon mit 500 Pfund aus und beide übernahmen das Management der High Numbers.

Auf Anregung von Townshends ehemaligen Kunstschul-Kommilitonen Richard Barnes nannten sie sich ab November 1964 The Who. Jeden Dienstag konnte man sich im Marquee Club von dem Potential der vier Musiker überzeugen, die durch Sound, Show, Auftreten und Mode (Townshends berühmtes Union Jack-Sakko) zu Ober-Mods heranreiften. Pete Townshend formulierte die Träume und Enttäuschungen einer irritierten Generation - und trieb nachhaltig die musikalische Entwicklung des eher schlichten Rock'n'Roll der 50er Jahren voran.

Durch das Interesse des amerikanischen Produzenten Shel Talmy (Kinks) kamen The Who im Januar 1965 zu einem Schallplattenvertrag. Mit der Unterstützung von Jimmy Page und Ivy League als Chor bewies Townshend mit der ersten Single "I Can't Explain" (GB #10, US #72) seine feine Beobachtungsgabe, die er in harte Riffs und eine nervöse Rhythmik verpackte. The Who wurden auf Anhieb als rotzige, kantige, lärmende Band von "explosiver Musikalität" (Musik Express) akzeptiert und bestätigten ihre Fähigkeiten im Mai des Jahres mit der zweiten Single "Anyway, Anyhow, Anywhere" (GB #13).

Im November 1965 folgte mit "My Generation" (GB #3, US #79, D #6) eine der bedeutendsten Teenager-Hymnen der Pophistorie überhaupt. Der Text lieferte zwar in einfachen Worten, aber durchaus überzeugend "den perfektesten Ausdruck jugendlicher Gefühlswelten, der bis dato in einem Rocksong gelungen war" (Musik Express). Der Titel löste einen Who-Boom aus und machte Daltreys stotternden Gesang und Townshends bissige Inhalte zu Markenzeichen der Who. Die Aggressivität von "My Generation" übertrug die "schnell aufsteigende Band" (New Musical Express) auf ihre chaotische, stimulierende Show. Nicht selten ging am Ende von Moons kollabierenden Drum-Eskapaden ein Großteil der Anlage zu Bruch. The Who zelebrierten ultralaute, anarchische Auftritte, bei denen sich Musiker und Publikum völlig verausgabten. Auch außerhalb der Konzerthallen und Studios sorgten The Who ständig für Aufruhr und schienen den Stones den Rang als 'böse Buben' abzulaufen, allen voran 'Moon the Loon' (Moon der Lümmel).

Das Album "My Generation" (GB #4, US #84, D #14) vom Dezember 1965 entpuppte sich als Tour de Force durch Beat-, Rock'n'Roll- und Rhythm & Blues-Erfahrungen. Aufsässige, anklagende Songs, schneidende Gitarren, donnernde Drums und markante Gesangsphrasierungen machten "My Generation" zu einer "der einflußreichsten Rock-LPs, die je veröffentlicht wurden" (Rolling Stone). Die amerikanische Schriftstellerin Lilian Roxon erkannte in der Encyclopedia Of Rock Townshend als "einen der wichtigsten Musiker der zeitgenössischen Musik".

Die erste von drei Versionen der Single "Substitute" (GB #7, D #13) erschien im März 1966 und setzte den kompromißlosen Stil der Who fort. Im Mai kam es während eines Gastspiels im Ricky Tick Club in Windsor, Berkshire zum Eklat. Aus Verärgerung über Moons Verspätung schlug Townshend den Drummer mit seiner Gitarre über den Kopf und suspendierte ihn für eine Woche aus der Band. Zwischen Tourneen durch Irland und Schweden kam im August "I'm A Boy" (GB #2, D #10) auf den Markt. Die Single war nicht auf der im Dezember folgenden LP "A Quick One" (GB #4) enthalten, die in den USA unter dem Titel "Happy Jack" (US #27) in den Läden stand.

"Happy Jack" (GB #3, US #16, D #4) hieß auch The Who-Single zum Auftakt des Jahres 1967. Ihre Nachfolger "I Can See For Miles" (GB #13, US #10, D #37), "Pictures Of Lily" (GB #4, US #49, D #5), sowie das witzige, mit Werbejingles als Zäsuren der Songs versehene Album "The Who Sell Out" (GB #12, US #17) verdeutlichten, daß die Gruppe nicht nur für grobschlächtigen, gewöhnlichen Rock, sondern auch für feinere Strukturen gut war. The Who kamen zu neuen Ausdrucksformen und einer kontinuierlichen musikalischen Weiterentwicklung, die ihnen ihre Kritiker nicht zugetraut hatten. Im Juni 1967 besuchten sie erstmals Nordamerika, traten dabei beim legendären Monterey Pop Festival auf und gastierten im Fillmore West in San Francisco.

Pete Townshend heiratete 1968 nach dem Abschluß einer gemeinsamen Tour mit den Small Faces durch Australien und Neuseeland. Zu dieser Zeit begann er sich für die Lehren des Inders Meher Baba zu interessieren, der einen großen Eindruck auf ihn machte und seine zukünftigen Arbeiten maßgeblich beeinflußte. Mit den Singles "Dogs" (GB #28, D #40), "Call Me Lightning" (US #24) und "Magic Bus" (GB #22, US #13, D #20) mußten The Who 1968 kommerzielle Einbußen hinnehmen. Sie hatten sich endgültig gegen den wenig variablen Hammerbeat entschlossen und experimentierten mit neuen Sounds und Effekten. Außerdem spielten The Who in diesem Jahr als Anheizer für die Doors in der New Yorker Singer Bowl.

"Pinball Wizard" (GB #4, US #15, D #25) gab im März 1969 einen Vorgeschmack auf das zwei Monate später folgende monumentale Doppelalbum "Tommy" (GB #4, US #1), das in den USA 88 Wochen in den LP-Charts notiert wurde und das sich zu einem einmaligen Erfolg entwickelte. The Who erzählten die surrealistische Geschichte vom Aufstieg und Fall des blinden Flipperkönigs Tommy. Townshends brillante Inszenierung lieferte die Vorlage für eine spätere Verfilmung von Ken Russell mit Stars wie Jack Nicholson, Ann Margret, Tina Turner und Elton John und eine von Lou Reizner inszenierte Theaterversion. Die ersten Pressestimmen und Fan-Reaktionen gaben noch Anlaß zur Skepsis, doch sehr bald stellte sich dank einer Auflage von über 10 Millionen Exemplaren "ein unglaublicher Devisenregen ein" (Musik Express). Die Medien feierten "Tommy" mittlerweile als erste authentische Rockoper: "Jungsein bedeutet auch die Teilnahme an einem Ritual und bedeutet die Naivität, die man dazu benötigt" (Frankfurter Rundschau). "Das exzessive Drama" (Time) setzte endgültig The Who als Superstars durch.

Auf einer fünfwöchigen Tour im Frühsommer 1969 stellten "die vier Seelen der Rockmusik" (Spiegel) ihr Opus dem nordamerikanischen Publikum vor. In England spielten sie in der Londoner Royal Albert Hall eine Woche vor ausverkauftem Haus und überquerten danach wieder den Atlantik, um am 17. August auf dem legendären Woodstock Festival aufzutreten. The Who rissen ihre Fans nun auf eine andere Art und Weise mit. Die markante Kraft und elektrisierende Wirkung hatten sie sich erhalten, doch der musikalische Furor von einst war einem differenzierten Repertoire gewichen, und ihre Songs boten stets "ein individuelles und ausgewogenes Klangbild" (Sounds).

Townshend entwickelte sich mehr und mehr zum Denker und Intellektuellen der Rockszene, der in seinen Stücken seine Phantasien, Frustrationen, Erfahrungen und Visionen selbstkritisch reflektierte. Er lieferte eine gleichbleibende Song-Qualität, die von seinen Mitstreitern brillant umgesetzt wurde. Daltrey machte fehlendes Charisma mit seiner Bühnenakrobatik und einer überragenden Stimme wett. Entwistle verkörperte mit Humor und Hintersinn den gelassenen Bassisten, der auch über Talente als Gitarrist verfügte, und Keith Moon pflegte bewußt und intensiv sein Image als durch spektakuläre Aktionen in die Schlagzeilen geratenes enfant terrible der Rockmusik. Er gab mit seiner Rhythmik ein irrwitziges Tempo vor und profilierte sich als Komödiant, der "in clownesker Weise das Schlagzeug bediente" (Neue Zürcher Zeitung). The Who waren vier Individualisten, deren gemeinsame Karriere nicht immer harmonisch verlief, die aber zusammen viel Erfolg hatten.

Im März 1970 kam mit "The Seeker" (GB #17, US #30, D #18) eine neue Single heraus und im Mai folgte mit "Live At Leeds" (GB #3, US #3, D #8) "zweifellos eines der besten Live-Alben überhaupt" (Encyclopedia Of Rock). Anfang Juni führten The Who in zwei Shows im New Yorker Metropolitan Opera House ihr Flipperkönig-Drama "Tommy" auf. Im August waren sie die Stars des dritten und letzten Festivals auf der Isle Of Wight.

Als erstes Who-Mitglied veröffentlichte Entwistle mit "Smash Your Head Against The Wall" im Mai 1971 eine Solo-LP. "Die schärfste Rock'n'Rollband" (Zeit) brachte mit "Who's Next" (GB #3, US #3, D #18) und der Single "Won't Get Fooled Again" (GB #9, US #8, D #27) im Sommer des Jahres das erste neue Studiomaterial seit zwei Jahren in den Handel. Das Album bestach durch eine Fülle von Song-Ideen und für The Who untypische Instrumentierungen. Townshend integrierte verstärkt Synthie- und Orgel-Elemente in eine "frische, impulsive Musik, bei der nie der Gedanke an Langeweile aufkam" (Sounds). In dieser Phase erschien trotzdem die Zukunft der Band ungewiß. Zwar brachten die Singles "Let's See Action" (GB #17, D #43), "Behind Blue Eyes" (US #27) "Join Together" (GB #9, US #20, D #23) und der Sampler "Meaty Beaty, Big And Bouncy" (GB #11, US #9) weitere Chart-Erfolge, aber dessen ungeachtet bauten Townshend und Entwistle an ihren Solokarrieren.

Townshend realisierte mit "Who Came First" seine Solopremiere, Entwistle widmete sich seiner Formation Ox und Moon gab ein Gastspiel in Frank Zappas Kinospektakel "200 Motels". Als auch Daltrey intensiver mit Leo Sayer und David Courtney zusammenarbeitete, verdichteten sich die Trennungsgerüchte. Daltrey stand auch im Mittelpunkt von Lou Reizners Bühnenfassung von "Tommy", die im Oktober als Platte herauskam, und im Dezember 1972 mit einem Symphonieorchester im Londoner Rainbow Theatre aufgeführt wurde.

Im Januar 1973 unterstützte Townshend seinen Freund Eric Clapton bei dessen Comeback nach einer überstandenen Heroin-Entziehungskur. Danach zerstreuten The Who die wachsende Ungewißheit um die Zukunft der Band. Mit dem Mod-Epos "Quadrophenia" (GB #2, US #3, D #7) erzählten sie wieder eine umfassende Geschichte. "Altvertraut, aber in stets gleichbleibender Frische und Anziehungskraft" (Sounds) verdeutlichten sie ihr großes Potential an Kreativität und Energie. "Quadrophenia" wurde zunächst auf einer zehntägigen Tour durch England und anschließend in den USA live vorgestellt. Beim Konzert in San Francisco mußte Keith Moon nach einem Zusammenbruch auf der Bühne durch einen Drummer aus dem Publikum ersetzt werden. Nachdem sie im kanadischen Montreal eine Hotelsuite verwüstet hatten, verbrachten The Who eine Nacht in Polizeigewahrsam.

Im Februar 1974 schlossen die "vier schicken Existentialisten" (New Musical Express) ihre Tourneeaktivitäten nach einigen Gastspielen in Frankreich ab. Im April begannen die Dreharbeiten zur Verfilmung von "Tommy". Townshend nutzte die Pause im April für ein Solokonzert im Londoner Roundhouse. Es folgten einige Einzelauftritte der Who, sowie der Raritäten-Sampler "Odds And Sods" (GB #12, US #14, D #46) und Moons Rolle in dem Kinofilm "Stardust". Während im März "Tommy" seine Uraufführung erlebte und gleichzeitig der Soundtrack auf den Markt kam, kümmerte sich Entwistle intensiver um Ox und tourte mit dem Material seiner vierten LP "Mad Dog" durch Großbritannien.

Roger Daltrey feierte mit seiner zweiten Arbeit "Ride A Rock Horse" bescheidene Erfolge und wirkte in Ken Russells verrückter Kinoinszenierung "Lisztomania" mit. Keith Moon erlebte dagegen mit seinem ersten und einzigen Alleingang "Two Sides Of Moon" eine kommerzielle Pleite. Townshend engagierte sich für die Nachfolgeprojekte die sich aus "Tommy" und "Quadrophenia" ergaben und förderte daneben den Musiker John Otway.

Mit den Veröffentlichungen des Albums "Who By Numbers" (GB #7, US #11), der Single "Squeeze Box" (GB #8, US #11) und der Neuauflage von "Substitute" (GB #7, D #35) kehrten The Who im Oktober 1975 in den Tour-Zirkel zurück. Nach 19 Europastationen bereisten sie 20 nordamerikanische Städte und beendeten die Tournee im Dezember des Jahres mit drei ausverkauften Abenden im Hammersmith Odeon in London.

Zum Auftakt des Jahres 1976 waren The Who wieder unterwegs. Am 9.März kollabierte Moon erneut, diesmal während eines Auftritts in Boston, der daraufhin abgebrochen werden mußte. Nach einem Konzert im Fußballstadion des Charlton Athletic FC bekamen The Who mit 120 Dezibel als lauteste Rockgruppe der Welt einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Für die folgenden 26 Monate beließen sie es bei sporadischen Live-Zusammenkünften. Ansonsten bereiteten Daltrey und Townshend neue Soloplatten vor. Am 15.Dezember kamen sie zum ersten von zwei Konzerten zusammen, die für ihren autobiografischen Film "The Kids Are Alright" festgehalten wurden. Der zweite Gig am 25.Mai 1978 sollte der letzte mit Keith Moon werden.

Doch zunächst stellten sie im Juli 1978 die Single "Who Are You" (GB #11, US #9) fertig, der im August das gleichnamige Album (GB #5, US #4, D #49) folgte. Die Band kehrte zum bodenständigen Sound der 60er Jahre zurück und mußte ihre Musik als "völlig unoriginellen Beat" (Melody Maker) kritisieren lassen. Noch während der Dreharbeiten von "The Kids Are Alright" erreichte The Who am 15.8.1978 die Nachricht vom Tod ihres ehemaligen Managers Pete Meaden. Drei Wochen später, am 8.September 1978 starb Keith Moon. Als offizielle Todesursache galt eine Überdosis eines vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittels (Heminevrin) und Alkohol. Townshend, Entwistle und Daltrey überlegten mehrere Wochen, ob sie das Unternehmen Who fortsetzen sollten und entschieden sich im Januar 1979 für Kenny Jones von den Small Faces als Nachfolger für Moon. Auf der Bühne verstärkten sie sich zusätzlich mit dem Keyboarder John 'Rabbit' Bundrick und einem kompletten Bläsersatz. Die neue Besetzung debütierte am 2.5.1979 im Rainbow Theatre.

Der Film und die Platte "The Kids Are Alright" (GB #24, US #14) kamen am 24.Juni auf den Markt. Das Doppelalbum dokumentierte sorgfältig ausgewählt bekannte Hits und Live-Material der Shows vom Dezember 1977 und Mai 1978. Im August kam "Quadrophenia" in die Kinos. Daltrey spielte auch noch in dem im Oktober uraufgeführten Horrorstreifen "The Legacy" mit. Am 3.Dezember endete das Jahr für The Who mit einer Katastrophe. Bei einem Konzert im Riverfront Coliseum in Cincinnati, Ohio starben elf Besucher bei einem Ansturm auf unbesetzte Plätze.

Im März 1980 präsentierten sich The Who "äußerst kompakt und konzentriert" (Neue Zürcher Zeitung) auf einer Europatournee. Die Rockmaschine war zwar in die Jahre gekommen, hatte jedoch nichts von ihrer Qualität verloren und bemühte nie nostalgische Klischees. Die Band lief auch keine Gefahr, sich selbst zu parodieren und büßte naturgemäß nur nach und nach die rebellische Jugendlichkeit ein. Kenny Jones, der "härter und professioneller" (Frankfurter Rundschau) als Moon spielte, fand sich auf Anhieb in seiner neuen Umgebung zurecht und überzeugte auch bei den anschließenden, ausgedehnten Konzertreisen im Frühjahr/Sommer 1980 in den USA und von Januar bis März 1981 in Großbritannien.

"Face Dances" (GB #5, US #3, D #29) und die Auskopplung "You Better You Bet" (GB #8, US #18) sorgten im März 1981 für hohe Chartsplazierungen. Townshend und Entwistle, der in der Regel zwei bis drei Songs zu jedem Who-Album beisteuerte, dokumentierten erneut die "klassische Simplizität" (Stereo) ihrer Rockohrwürmer, ohne sich an Trends anzuhängen. Die Premiere ohne Keith Moon war gelungen.

The Who-Mitglieder verfolgten weiterhin jeweils ihre eigenen Interessen. Daltrey übernahm 1981 die Titelrolle in dem Film "McVicar", Townshend veröffentlichte die LP "Empty Glass" und Entwistle präsentierte mit "Too Late The Hero" bereits seine fünfte Soloproduktion.

Am 7.4.1981 verstarb mit Kit Lambert der langjährige Co-Manager der Who.

Nach einer weiteren Solo-LP kündigte Townshend im Sommer die Trennung "einer maßstäbesetzenden Band" (Musik Express) an. Nach der Veröffentlichung des Album "It's Hard" (GB #11, US #8), der Single "Athena" (US #28) und einer Abschiedstournee in den Vereinigten Staaten erklärte er: "Meine Songs sind nicht mehr für The Who geeignet, deshalb werde ich nie wieder mit ihnen auftreten oder aufnehmen". Townshend hielt sich jedoch nicht sehr lange an diese Aussage.

Der letzte Auftritt fand am 17.12.1982 im kanadischen Toronto statt, wurde für eine spätere TV-Dokumentation gefilmt, auf dem Doppelalbum "Who's Last" (GB #20) verewigt und im November 1984 veröffentlicht.

Townshend und Daltrey intensivierten ihre Soloaktivitäten und reformierten The Who zunächst für die Beteiligung am Londoner Live Aid-Spektakel im Juli 1985 und ein Wohltätigkeitskonzert im Februar 1988. Das 25jährige Jubiläum führte die Gruppe im Juni 1989 für 43 Auftritte in den USA zusammen. Dabei kam es zu Spezialaufführungen einer Neuauflage von "Tommy" u.a. mit Billy Idol, Elton John und Patti LaBelle. Eine dazugehörige LP erschien im März 1993. The Who präsentierten sich in Bestform und ließen Ausschnitte für die "epochalen Riffs und Themen" (Musik Express) des Albums "Join Together" mitschneiden.

Der 30. Jahrestag der Who wurde im Mai 1994 mit dem aufwendig gestalteten Sampler "Thirty Years Of Maximum R&B" gewürdigt.

Über 100.000 Fans erlebten im Juni 1996 eine erneute Reunion der Who, die mit Zak Starkey, Ringo Starrs Sohn, an einem Benefizkonzert zu Gunsten der Wohltätigkeitsstiftung von Prince Charles im Londoner Hyde Park teilnahmen.
Im Frühjahr 1997 kamen sie auch nach Deutschland. Im Mittelpunkt ihrer Show standen die Songs von "Quadrophenia" und ihre größten Hits, von denen bereits im Juli 1996 "My Generation" (GB #31) wiederveröffentlicht wurde.

The Who inszenierten "Quadrophenia" als knappes, kompaktes Bühnenmusical und wurden bei ihren Auftritten u. a. von Billy Idol in der Rolle des Mod-Helden Ace, Townshend's Bruder Simon als zweiten Gitarristen und Starkey am Schlagzeug unterstützt. Townshend widersprach öffentlich einer dauerhaften Reunion, da er sich verstärkt um Theaterstücke und musikalische Dramen kümmern wollte.

Quelle: Rockmusik-Lexikon

Sommer 2002: John Entwistle stirbt am Tag vor Beginn einer Tournee durch die USA.

The Who: Live at the Royal Albert Hall
The Who - Live at the Royal Albert HallAm 27. November 2000 absolvierten The Who - damals noch mit ihrem im Sommer 2002 verstorbenen Bassisten John Entwistle am Warwick-Buzzard-Bass - in der altehrwürdigen Londoner Royal Albert Hall ein Benefizkonzert zu Gunsten des Teenage Cancer Trust, einer englischen Hilfsorganisation, die sich um krebskranke Kinder kümmert. Mit Ringo Starrs fabelhaftem Sohn Zak Starkey an den Drums zelebrierte man vor ausverkauftem Haus ein Greatest-Hits-Programm, in dem unsterbliche Gassenhauer wie "I Can't Explain", "Pinball Wizard" und "My Generation" genauso auftauchten wie etwas seltener gehörte Perlen der Marke "Relay", "Bargain" oder "Mary Anne With The Shaky Hand"

. Absolute Stimmungshöhepunkte sind jedoch die zahlreichen Tracks, bei denen namhafte Gastmusiker der Band unter die Arme griffen. Paul Weller intonierte mit Pete Townshend sehr gefühlvoll "So Sad About Us", Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder versuchte sich an "Let's See Action", "I'm One" und "Getting In Tune", Bryan Adams ließ seine rauchige Stimme bei "Behind Blue Eyes" aufröhren, Noel Gallagher (Oasis) beteiligte sich an "Won't Get Fooled Again", Teufelsgeiger Nigel Kennedy veredelte "Baba O'Riley", Kelly Jones von den Stereophonics stieg bei "Substitute" mit auf die Bühne, und im Finale gaben sich Eddie Vedder und Bryan Adams bei "See Me, Feel Me" und "Listening To You" die Klinke in die Hand. Der Surround-Sound der DVD lässt das Spektakel zwar noch etwas imposanter erscheinen, aber auch im Stereo-Format gehört dieses Konzert der Superlative zu den besten Live-Dokumenten der Who-History.

Quelle: Michael Rensen von Amazon